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// 05.03.2019
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Leder - Produktion
| Leder gerben mit Hirn |
Autor: R. Haupt (---.dip.t-dialin.net)
Datum: 06.04.26 00:11
Zum Gruße,
Ich bin sehr froh eure Seite gefunden zu haben, ist sie doch eine wahre Fundgrube von Wissen. Ich hätte da allerdings noch eine Frage.
Die Sache betrifft das Gerben. Ich persönlich habe da nicht allzuviel Ahnung davon, aber ich täte gerne wissen, wie es dazu kommt, daß man Gerbstoffe aus Afrika und Australien zu uns ankarrt um Leder zu gerben, wobei mir ein Freund mitteilte, der selbst schon seit Jahren Leder gerbt, daß die Natur mit dem Tier den Gerbstoff mitliefert in From des Hirns.
R. Haupt
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| Re: Leder gerben mit Hirn |
Autor: U. Schrader (---.dip.t-dialin.net)
Datum: 06.04.26 00:11
Guten Tag,
um es vorwegzunehmen, ich bin kein Lederexperte und will es auch nicht werden. Den Beitrag zur Gerbung mit "Hirn" fand ich sehr interessant. Dazu habe ich vor Jahren in einem Buch über die Inuit (Eskimos) gelesen, dass diese ursprünglich ihre Leder mit Hilfe von Asche und Hirn gegerbt haben. Welche Qualität das Leder dann hatte, wage ich nicht zu beurteilen. Ich gehe davon aus, dass es dafür keinen Markt gäbe.
Tschüß
U. Schrader
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| Schon wieder Hirn ! |
Autor: Dirk Griesmann (---.dip.t-dialin.net)
Datum: 06.04.26 00:11
Hallo,
In den USA ist mir solch ein hirngegerbtes Leder begegnet. Die Indianer verwenden zum Teil dieses Verfahren für Kleidung.
Das Ergebnis: dieses Leder, in meinem Beispiel von einem Deer, ähnlich unserem Reh, nur etwas grösser, sieht aus wie sämisch gegerbt, ist aber nicht ganz so dicht, wunderbar weich und griffig.
Vielleicht auch durch die anschliessend an die Gerbung erfolgte Räucherung über Buchenfeuer fühlt es sich auf der Haut kühl an und duftet lecker. Einfach fantastisch 
Dirk Griesmann,Weener
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| Leder gerben mit Hirn die 2. |
Autor: R. Haupt (---.dip.t-dialin.net)
Datum: 06.04.26 00:11
Noch einmal zum Thema Hirn.
Ich habe mich mittlerweile etwas besser informiert und kenne mich daher nun auch wesentlich besser aus
Die Sache mit dem Hirn ist die, daß mit Hirn gegerbtes Leder atmungsaktiver und widerstandsfähiger ist als konventionell gegerbtes Leder. Der Grund warum man das allerdings niemand tut ist der, daß mit Hirn nicht maschinell und somit nicht ökonomisch gegerbt werden kann. Leder, das nachwievor so gegerbt wird, muß von Hand gegerbt werden und ist deshalb auch sehr teuer. Heute gibt es nur noch ein paar wenige Handwerker, die solches Leder für Trachten verwenden.
R. Haupt
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| Re: Leder gerben mit Hirn die 2. |
Autor: Stefan Banaszak (---.tnt7.s2.uunet.de)
Datum: 06.04.26 00:11
Guten Tag,
vielleicht darf ich Ihnen etwas zur Gerbung mit Hirn sagen. Die Aussage, das es nur von Hand geht ist falsch. Es würde auch industriell gehen. Die besonderen Eigenschaften von Weichheit und Atmungsaktivität hängt nicht mit der Gehirngerbung zusammnen sondern mit der Vorgerbung und mit der anschließenden Räucherung welche einer Aldehydgerbung entspricht. Das müßte
Ihnen bewußt sein. Weichheit und Atmungsaktivität bekommen Sie mit einer vielzahl von Gerbstoffen hin. Das ist überhaupt nichts besonderes. Aber kommen wir zu den Nachteilen. Echte hirngegerbte Leder sind "Pseudoleder". Also solange
wie kein Wasser oder Hitze oder Dreck etc. auf diese "Pseudo" Leder einwirkt
sieht es sogar lederähnlich aus. Aber wehe wenn.... . Das Es Gruppen von Menschen gibt, die glauben diese Art der kurzfristigen "Konservierung" von Haut
sei etwas besonderes ist bekannt. Das nutzen natürlich bestimmte "Gerber" aus.
Die Behandlung mit Hirn stellt eigentlich heute nur eine Fettungsvariante da.
Was man so kaufen kann ist aldehydgegerbtes oder synthetisch gegerbtes oder mineralisch gegerbtes Leder mit allenfalls einer streichfettungsähnlichen Hirnbehandlung. Das Ãst auch gut so, denn dann wird es wirklich etwas haltbarer.
Wenn Sie wissen wollen was die Gerbwirkung bei den Eskimos oder den Indianern
wirklich war können Sie mich gerne kontaktieren.
Stefan Banaszak
Lederinstitut Gerberschule Reutlingen
Erwin-Seiz-Straße 9
72764 Reutlingen
Tel: 07121 162340
Fax: 07121 162311
mail@banaszak.de
www.verein-eichenkranz.de
www.LGR-reutlingen.de
Mit freundlichen Grüßen
S. Banaszak
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| buckskin - Hirngerbung |
Autor: A. Rogers (198.109.168.---)
Datum: 06.04.26 00:11
Sehr Geehrter Herr Banaszak,
Ich wuerde mich schrecklich fuer Ihre Stellungnahme bezueglich der Hirngerbung bei Eingeborenenvoelkern Nordamerikas interessieren.
Weiterhin kann ich Ihrer Meinung ueber diejenigen "Gruppen" von Menschen, die hirngegerbte Haeute als etwas besonderes empfinden, kaum verharren. Ihnen scheint im Eifer Ihres durchaus beachtlichen Wissens zum Thema Leder die Historische Bedeutung der Hirngegerbten Weisswedel- und Maultierhirsche entfallen zu sein. Der amerikanische Begriff "buck"-- eigentlich Rehbock, Hirsch, wurde in amerikanischen Pionierzeiten zum In-Begriff fuer "Waehrung", da hirngegerbte Hirschhaeute als Tauschmittel eine so grosse Bedeutung spielten: "buck" heisst heute noch "Dollar".
"Buckskins" waren als erstklassige Bekleidungsrohstoffe geschaetzt und lagen hoch im Handel, und zwar solange, bis Herr Levi Strauss sie durch indigoblaue Baumwolle ersetzte--Jeans, das einzige Textil, dass es an atmungsaktivitaet und strapazierfaehigkeit mit "buckskin" aufnehmen konnte.
Fuer diejenigen, die unvorbehaltene Informationen ueber die Herstellung von Buckskin (hirngegerbte Hirschhaeute) benoetigen, und sich auf eine englischsprachige Seite einlassen koennen, besuchen sie:
www.braintan.com
Der Autor dieser Seite ist Matt Richards aus Cave Junction, Oregon, USA, und ist einer der erfahrensten Buckskinner der USA; er lebt ausschliesslich von der Herstellung dieser "Leder". Nebenbei bemerkt wuerde Matt niemals seine Buckskins als Leder bezeichenen. Zwei Paar Schuhe.
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| Re: buckskin - Hirngerbung |
Autor: S. Banaszak (---.tnt4.s2.uunet.de)
Datum: 06.04.26 00:11
Guten Tag Herr Rogers,
natürlich haben Sie recht wenn Sie die Buckskins ansprechen. Aber beachten Sie
bitte auch (wie oben schon erwähnt) das die alleinige Verwendung von Hirn nur
eine Konservierung und Fettung darstellt. Das Räuchern danach ist der Knackpunkt. Einmal die Oxidation die dabei entsteht und das freie Aldehyd welches gerbend wirkt. Ausgelöst durch den Rauch und dem darin enthaltenen Aldehyd. Die Hirnbehandlung ist dabei die notwendige Fettung zum geschmeidig werden der Felle. Die Gerbung kommt dann eigentlich anschließend. Also dennoch Die "Hirngerbung" ist eigentlich keine Gerbung aber der gesamte Prozess inkl. Räucherung bringt den gewünschten Effekt der anhaltenden Stabilisierung der Kollagenfasern, also eine Art Gerbung. Wenn meine
Antwort oben das nicht klar genug ausgedrückt hat, bitte ich dies zu entschuldigen. Ansonsten bleibt alles gleich. Und das diese Ware ein wichtiger Handelsfaktor war (übrigens immer noch ist) ist ja auch Ok. Was mich stört ist eben die Bezeichnung "Hirngegerbt". Aber ich denke das ist jetzt auch kein Problem. Rein theoretisch ist es völlig wurscht ob wir Hirn oder Glycerin oder andere Fette nehmen. Die Kombination mit anschließender Räucherung stellt erst den qualitativen Faktor her. Eine Gerbung durch Fette wie z.B. Tran (Dorschlebertran) entsteht auch nur dann, wenn eine entsprechende Jodzahl im Tran vorliegt um oxidationsfähig zu werden und Gerbfähigkeit zu bekommen. Aber das ist ein anderes Kapitel. Ich möchte auch niemanden seine Vorstellungen über "Naturgerbungen" nehmen. Nur war die Bezeichnung der Hirngerbung in Zeiten entstanden als man die chemischen Abläufe noch nicht nachvollziehen konnte. So hatte man die eigentliche Konservierung und Oxidation durch Rauch minder bewertet, was falsch war. Und die eigentliche Fettung durch Hirn etc. zu hoch bewertet. Im Prinzip wurscht, wenn am Ende Leder dabei heraus kommt. Interessanter finde ich die Tatsache (wenn wir schon von alter Tradition und den @!#$ von Leder (Buckskins) reden) das man eigentlich in anderen Kulturen all diese Sachen schon längst wußte. Und das etwa 4500 - 5000 vor Christus. Also ein alter Hut. Zu betrachten in Kairo oder Ghebelên.
Ich möchte kurz die geschichtliche Phase der Lederherstellung aufgreifen.
Zunächst hatte man die Felle vor den Höhleneingängen aufgehängt.Zum Schutz vor Witterung, Tiere etc.. Aber Sie wurden steinhart, trocken, brüchig und faulten dann doch. Dann kam das Feuer. Und genauso alt ist die Rauchgerbung. Nun zog der Rauch aus den Höhlen. Die erste Aldehydgerbung entstand. In anderen Erdteilen wurden fast gleichzeitig andere Gerbungen gefunden. Nun hat man festgestellt das die Haut nicht mehr faulte und brüchig wurde aber immer noch hart blieb. Außerdem war das noch anhaftende Fleisch auf einmal wieder köstlich und im Winter, da Hunger, ein willkommenes Mahl. Als man die Häute fleischseitig abnagte wurden durch den Speichel Fermente frei. Eigentlich
Biokatalysatoren. Die Häute waren jetzt weicher geworden und gelber in der Farbe. Eine Oxidation des Naturfetts bei gleichzeitiger pH - Wert Senkung und fermentativen Abbaus machte aus dem Kauer (z.B. der kauende Indianer) eine kleine Gerberei. Und jetzt behandelte man die Haut z. B. mit dem Hirn der Tiere. Und die Leder wurden weicher und wasserresistenter (hydrophober). Nun wußte man wie man es macht. Die Haut war aber noch nahrhafter wenn man das Hirn vor dem Räuchern aufbrachte. So konnte man dann später einiges verspeisen wenn man mit einem scharfen Gegenstand (scraper) Hautstreifen abzog und gleichzeitig die Haut dünner und geschmeidiger wurde. Diese Streifen nahm man für viele handwerkliche Arbeiten wenn man Sie vor oder während der „Gerbung“ abschabte oder später nach der Gerbung als Proviant bei Jagdausflügen oder Überwinterung. Ähnlich wurde die pflanzliche Gerbung erfunden.
Der Jäger der viel Wild gejagt hatte aber nicht alles tragen konnte vergrub seine Beute (die Haut, denn das Fleisch nahm er mit) in einem Nadelwald. Leider kam er erst einige Monate später wieder und grub anstatt einer fauligen Haut ein braunes gut gegerbtes Leder aus. Die pflanzliche Gerbung mit Rinden, Blättern oder Früchten. In Asien aber auch in Nordamerika wurde oft Wasser und pflanzliche Medikamente in Tierschläuchen transportiert. Also Bälgen von Tieren. Tonkrüge hatten leider keine lange Lebensdauer bei den damaligen Straßenverhältnissen. Dabei entdeckten die Medizinmänner das
manche „Medikamente“ aus dem Tierschlauch ein wundervolles Leder machten. Manche Tierschläuche lösten sich auch total auf. Da wußte man wie es nicht geht. In Pakistan oder Indien sieht man manchmal bei Bauern noch die Schlauchgerbung. Die Eskimos hatten z.B. die Seehundfelle ebenfalls abgenagt. (Zuerst weil Sie Hunger hatten) Dabei wurde der Robbentran durch den Speichel oxidiert. Eine Art der Sämischgerbung, denn der Robbentran in der Haut hat eine ausreichende Jodzahl um gerbend zu wirken.
So entwickelten sich auf der Erde ca. 6 grundsätzlich verschiedene Gerbvarianten. Da man damals und damit meine ich vor ca. 5000 bis 9000 Jahren wenig Reisemöglichkeiten hatte, konnten somit eigene regionale ausgefeilte Gerbkulturen entstehen. Dazu gehörten auch die Buckskins, die aber zeitlich gesehen noch sehr jung sind.
Ich hoffe Sie sind jetzt weniger aufgeregt und verstehen meine Meinung. Alle diese
Gerbvarianten sind unser höchstes Kulturgut, denn damals war neben dem Wasser und dem Fleisch das Leder das Wichtigste. Zur Herstellung von Pfeil und Bogen, Schuhe, Handbekleidung, Trommeln, Bekleidung, Werkzeuge, Riemen, Taschen, Zelte, Lassos, Kleber und Leim und vieles vieles mehr. Ich könnte Ihnen noch weitere geschichtliche Entwicklungen erzählen, z.B. die Ägypter, Inkas, Chinesen, Mongolen, und viele mehr bieten interessante Entwicklungen die alle sehr sehr alt und noch traditioneller sind als wir uns überhaupt vorstellen können.
Einige wenige beherrschen noch die wirklich traditionelle Arbeitsweise. Viele passen sich aber der modern Weise an oder kombinieren. Manche machen es, wissen aber nicht warum und wieso aber es ergibt eben „Naturleder“. Deshalb bin ich immer sehr kritisch wenn ich schnell dahin gesagte Begriffe höre. Aufklärung ist wichtig.
Gerne würde ich wieder Ihre Meinung hören.
Mit freundlichen Grüßen
S. Banaszak
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| Re: buckskin - Hirngerbung |
Autor: A. Rogers (198.109.168.---)
Datum: 06.04.26 00:11
Sehr Geehrter Herr Banaszak,
ich freue mich ausserordentlich, Ihren ersten Beitrag zur "Hirngerbung" als herablassend missverstanden zu haben. Selbstverstaendlich ist die Frage hinfaellig, ob es sich bei Buckskinning um Gerbung (tanning) oder Behandlung (dressing) oder Beize (tawing) handelt. Amerikanische 'Buckskinner' klassifizieren die Herstellung von Buckskin allgemein als "dressing with emulsified oils", die dann geraeuchert werden. Es werden selbst heute noch vielfaeltige Methoden verwandt, die die Benutzung von Eiern, Hirn, bzw. Seife und Fett beinhalten.
Die Antropologischen Rekonstruktionsversuche bezueglich der Entstehungsgeschichte moderner Hautbehandlungsmethoden scheinen etwas seltsam oder weit hergeholt meiner Meinung nach, aber auch hier ist es sicherlich wurst, auf welche genaue Weise diese Technologien entdeckt und verfeinert wurden. Leder ist da nicht anders als uebrige universal-Technologien und Kulturphenomena: Speerschleudern, Seile, Boegen und Pfeile, Schrift--Beispiele einer langen Liste menschlicher Innovativitaet die von unserer Vorfahren Gabe zeugen, Zufaellsentdeckungen zu zuegeln und nutzbar zu machen, und Gesellschaften von diesen Kulturguetern praegen zu lassen.
Der Grund, warum ich eher empfindlich auf scharfe Urteile bezueglich Buckskin reagiere, ist unter anderem, dass ich viel Zeit in die Herstellung von Buckskin nach traditioneller Weise aufwende. Ich kaufe frische Haeute vom Schlachter in der Jagdsaison und fertige die Haeute von Hand, was pro Stueck etwa 6-8 Stunden koerperliche Arbeit, verteilt auf alle Schritte, bedeutet.
Da ich gerade ein Paar Versuchsreihen mit Hartholzrinde fahre, koennte es sein, dass ich Ihnen ein Paar Fragen dazu stellen moechte--wenn es ihnen nichts ausmacht.
bis dann,
A. Rogers.
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| Re: buckskin - Hirngerbung |
Autor: S. Banaszak (---.tnt5.s2.uunet.de)
Datum: 06.04.26 00:11
Sehr geehrter Herr Rogers,
ich freue mich sehr das Sie geantwortet haben. Als Gerber sieht man die einzelnen Gerbverfahren oder Konservierungsverfahren sehr real und man
kann natürlich sehr einfach Rückschlüsse von modernen Gerbverfahren zu den alten traditionellen Gerbverfahren oder anders herum, ziehen.
Ich hoffe, Sie haben wirklich nicht geglaubt das ich als realer Gerber
herabfallend über die "Hirngerbung" denke.
Wenn ich Ihre Antworten lese, bin ich eher der Meinung
einen kompetenten Gesprächspartner gefunden zu haben, was
nicht alltäglich ist.
Die geschichtliche Entwicklung ist nicht nur eine Meinung von mir,
sondern deckt sich mit sehr vielen Erfahrungen, Ausgrabungen
und geschichtlichen Übermittlungen vieler anerkannter Wissenschaftler.
Vielleicht habe ich versucht die Entwicklung der Lederherstellung nur zu
banal zu erklären. Gerne können wir darüber einmal diskutieren.
Der Begriff "tawing" allerdings ist eigentlich die Behandlung mit Mehl,
Eigelb, und besonders dem Alaun, welches das schöne Leder Glacé ergibt. Der "Tawer" ist der Weißgerber und die "Tawery" die Weißgerberei.
Übrigens würde ich Ihnen gerne einmal etwas über unser Arbeitsfeld erzählen
bzw. gerne dürfen Sie auch mal unser Lederinstitut mit Gerberei besuchen, um
einen Eindruck zu bekommen mit welchen modernen Verfahren, aber besonders
auch mit welchen traditionellen Verfahren wir uns täglich bemühen.
Ich würde mich freuen wieder von Ihnen zu hören, und selbstverständlich
dürfen Sie bei Fragen mich jederzeit kontaktieren.
Mit freundlichen Grüßen
S. Banaszak
Lederinstitut Gerberschule Reutlingen & Verein Eichenkranz e.V.
Betriebsleiter und Dozent
Stefan Banaszak
Erwin-Seiz-Straße 9
72764 Reutlingen
Tel: 07121 1623 30
Fax: 07121 1623 11
mail@banaszak.de
www.lgr-reutlingen.de
www.verein-eichenkranz.de
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| Re: buckskin - Hirngerbung |
Autor: A. Rogers (198.109.168.---)
Datum: 06.04.26 00:11
Sehr geehrter Herr Banaszak,
Vielleicht habe ich mich zu allgemein ausgedrueckt, wenn ich nahelegte, dass die anthropologische bzw. kulturhistorische Erklaerung fuer Gerbtechniken weit hergeholt scheint. Meine Beibemerkung zur Universalitaet vieler Kulturgueter, d.h. der Tatsache, dass viele zentrale Techniken zu unterschiedlichen Zeiten an allen Moeglichen geographischen Orten auftauchen, sollte suggerieren, dass sicherlich viele Wege nach "Rom" fuehrten. In diesen Sinne bin ich eher holistisch und integrativ als exklusivistisch orientiert. Die Tatsache dass Menschen so viele unterschiedliche Gerb- bzw. Konservierungsmethoden fuer Haeute und Pelze gefunden haben spricht sicherlich nicht nur fuer die Vielfaeltigkeit der menschlichen Kulturen oder deren Efindungsreichtum, sondern auch dafuer, dass viele Wege, fuer viele unterschiedliche Kulturen zum Ziel fuehrten. In diesen Sinne war meine Kritik weniger eine einschraenkende, sondern eine integrative: Ihre Erklaerung ist sicherlich eine von vielen moeglichen. Eine wissenschaftlich belegte oder unterstuetzte, aber keine exklusive.
Wenn ich Gelegenheit habe, werde ich mir erlauben, ein Paar Fragen ueber Lohengerbung zu stellen. Ich danke fuer die Einladung ihre Gerberei (?) zu besuchen, aber mein Wohnort scheint dafuer etwas unguenstig gelegen: MIchigan, USA.
Guten Tag,
A. Rogers
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| Re: buckskin - Hirngerbung |
Autor: A. Rogers (---.tnt1.lansing.mi.da.uu.net)
Datum: 06.04.26 00:11
Sehr Geehrter Herr Banaszak,
wie erwaehnt moechte ich ihnen Fragen zur Lohengerbung stellen, und damit sie mir nicht mit romanlangen Postings antworten muessen, koennen sie mich gerne auf bereits vorhandene Literatur verweisen, vorausgesetzt, die besagten Schriften befinden sich noch im Druck, oder sind in oertlichen Bibliotheken erhaeltlich.
Damit sie in etwa wissen, welches (Halb-)wissen ich bereits ueber Haut und Gerbungvorgaenge besitze, gebe ich ihnen einen Ueberblick. Als Beispiel beschreibe ich dann einfach mein Buckskinning, dem ich in diesen warmen Tagen vermehrt nachgehe, und mein Ruecken davon schmerzt.
Die frischen Felle werden entfleischt, mit einem halbscharfen "scraper" (Streicheisen?), und die klare fleischseitige Membrane von der Lederhaut geloest, die als osmotische Barriere wirkt. Daraufhin werden sie in einem Bad von entweder Natriumhydroxid in Wasser bei pH 14, oder einer gesaettigten Loesung von Hartholzasche in Wasser (die einer Kaliumhydroxidloesung von etwa pH 14 entspricht) eingeweicht, bis die Haare sich mit der Hand abstreichen lassen.
In diesem Stadium ist das Fell dick, semitransparent, und die Narbe geschwollen; auf dem "fleshing beam" (deutsch?) wird dann die Narbe mit dem Streicheisen abgeschabt, sie hebt sich jetzt leicht ab und kann von der Lederhaut gut unterschieden werden. Mir faellt auf, dass die Narbe weiniger Collagen haben muss, da sie nicht annaehernd so zaeh und faserig ist wie die Lederhaut.
Die mir zugaenliche Literatur beschreibt das Bad in alkalischer Loesung als notwendig, weil
a) eine lebende, frische Haut noch osmotisch aktiv ist, d.h. weder mineralische noch emulgierte Loesungen koennen sie frei durchdringen, Eines von Beiden ist aber notwendige Voraussetzung zur Gerbung JEGLICHER Art.
b) in diesem Falle die in und an der Haut befindlichen Fette und Oele, die eine weitere Feuchtigkeitesbarriere darstellen, von dem Alkali verseift werden, und sich herausloesen lassen. Dieser Aspekt scheint anderen Gerbungsverfahren gleichfalls zutraeglich.
c) es die Haare abloest. Die Narbe kann auch mit den Haaren intakt abgeloest werden, stumpft aber das Werkzug zu schnell.
Alternative zur Alkalibehandlung ist das Anfaulen lassen in kuehlem Wasser ueber nacht. Der Effekt ist derselbe, aber ich spare mir die Erlaeuterung meiner Wahl.
Also, die Lauge loest alles das (Zell-)material und Lymphe und jegliche Schleime zwischen den Collagenfasern heraus. Das Fell wird in klarem Wasser gespuelt, mit Essig neutralisiert, und wieder gespuelt. Mehrfach. Fuer das Braining wird das Fell gerungen, bis es hellbraun und semitransparent ist. Dann mit Hirn getraenkt und gesaettigt, und wieder gerungen. Beim Trocknen wird das Fell gestreckt, gezurrt, ueber Kanten gezogen, die Haarseite mit einem Stahlkabel leicht gehoben und weich gemacht. Dauert drei Stunden in der Sonne.
Wenn getrocknet, wie sie erwaehnten, muss das fell tunlichst von Wasser fernghalten werden, weil sonst das Ungeheure passiert, naemlich alles wieder in einen Haufen bocksteifes Collagen verklebt. Zum Raeuchern werden zwei Felle zu einem Sack vernaeht (geklebt), nur der Nacken bleibt offen. Diese Oeffnung wird ueber eine Feuerstelle mit kaltem Rauch gestuelpt, der Sack blaeht sich auf, und der Rauch durchdringt die Felle. Man laesst die Felle haengen, bis sich der erwuenschte Braunton einstellt, dann wird der Sack gewendet, nach ca. 15-30 Min. Alternative Raeuchermethode im Rauchhaus, 10-12 Stunden. Nichts fuer mich.
Gut. Die Prinzipien der Gerbung sind mir klar; freie Bewegung von Loesungen innerhalb der Collagenfasern ist Voraussetzung. Dann die chemische reaktion mit Gerbsubstanzen; Tannin, Aldehyd, Alaun, Jod, usw., die die Collagenfasern vom erneuten Zusammenkleben abhalten, d.h. sich an den reaktiven Stellen dieser Proteine anlagern, dauerhaft fuer den Fall der Tannine. Was mich interessiert, ist eine Art Rezeptur, oder Alternativmethoden fuer z.B. meine NaOH-Behandlung, fuer die Baeder in Lohenloesungen, Dauer, und besonders die veraenderte Zurichtung (das Weichmachen, Fetten) bei der Lohengerbung.
Ich habe ein Paar Rezepte gelesen, die vorschlagen, dass man ein frisches Fell erst in eine schwache Lohe legen soll, damit sich die Poren nicht schliessen, und somit der Kern des Felles vom Tannin isoliert wird. Meine Probestuecke, die ich erfolgreich mit Zuckerahornrinde gerbte, waren sehr duenn, etwa 2mm. Eine Hirschhaut (einheimische) ist etwa 5-6mm am Nacken. Ist das richtig? Welche Rolle spielt das auskochen der Rindenstuecke, ausser der Beschleunigung vom Auslaugen der Tannine?
Wie sie sehen, weiss ich von der Gerbung mit Hartholzrinden nicht viel, habe aber gerade zwei Felle in der Mache. Eine in Birkenrinde (rot, riecht sehr duftig), und eine im besagten Zuckerahorn; braun, erdig. Vielleicht kommen ihre Vorschlaege noch zur richtigen Zeit. Ich wuerde mich sehr ueber ihre Meinung, und ueber moegliche Ratschlaege und Anweisungen freuen.
Mit freundlichen Gruessen,
A. Rogers
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| Re: buckskin - Hirngerbung |
Autor: S. Banaszak (---.tnt6.s2.uunet.de)
Datum: 06.04.26 00:11
Sehr geehrter Herr Rogers,
gerne möchte ich Ihre Fragen beantworten. Ich versuche einfach
der Reihe nach vorzugehen. Ihr Grundwissen ist bereits beträchtlich.
Ihre Erläuterungen sind zwar „gerberisch“ nicht alle einwandfrei, treffen
aber weitgehend den Punkt, worauf es ankommt.
Zunächst möchte ich Ihnen einige Literaturbeispiele geben, die meines
Wissens nach noch käuflich sind.
Buchtip:
Helmut Ottiger / Ursula Reeb
GERBEN
Leder und Felle selbst gerben
4 Farbtafeln
22 Schwarzweißfotos
20 Zeichnungen
120 Seiten
ISBN-3-8001-7241-0
The Complete Book of Tanning Skins and Furs
1983 by James E. Churchill
197 Seiten
a Stackpole Book
5067 Ritter Road
Mechanicsburg, PA 17055
ISBN 0 - 8117 - 1719 - 4
Leather Technician’s Handbook
580 Seiten
J. H. Sharphouse, B. Sc.
Leather Producers’ Association
Kings Park Road
Moulton Park
Northampton NN3 1JD
Practical Leather Technology
Third Edition 1985
Thomas C. Thorstensen
Robert E. Krieger Publishing Company
Malabar, Florida
ISBN 0-89874-692-2
Wie Sie richtig erkannt haben muss entfleischt werden, um die „Barriere“ zu entfernen. Als „Barriere“ können Sie alle nichtlederergebenden Bestandteile zählen die man so gut und weitgehend wie möglich entfernen sollte. Die Weiche und die folgende Haarentfernung (Äscher) sind besonders wichtige Vorgänge, um den so genannten Hautaufschluß zu erreichen. Also eine Grundvoraussetzung und insbesondere dann wenn man weiche Leder erzielen will. Die Weiche muß in jedem Fall völlig komplett ausgeführt werden. Nicht nur die Säuberung von Blut, Urin, Kot und evtl. Konservierungsmittel ist dabei wichtig, sondern die Rehydrierung ist eine unabdingbare Grundvoraussetzung für den nachfolgenden Äscher. Wie Sie richtig bemerkt haben ist eine Haarentfernung (Äscher) auch durch kontrollierten Bakterienwachstum (Schwitze) möglich, ist aber schwer zu kontrollieren und verläuft daher immer anders und bringt nicht den oben erwähnten gleichmäßigen Hautaufschluß. Die Haarentfernung mit Asche (daher das traditionelle Wort Äscher) ist eine gute Wahl. Ebenso die Verwendung von Alkalien, wenn bewußt und kontrolliert, führt zum gewünschten Erfolg der Haarentfernung, wenn die Haare dabei versulzt oder an der Haarwurzeln durch Sulfid geknackt werden (Keratin zu Präkeratin). Die Verwendung eines
reinen Weißkalkäschers bringt den gewünschten Hautaufschluß, braucht aber lange. Dafür müssen Sie je nach Tierart 3 - 6 Wochen einplanen, bis sich die Haare lösen.Dafür muß eine gesättigte Weißkalklösung (Calciumhydroxid)
Ca(OH2) von mind. 15g / Liter Wasser angesetzt werden, welche öfters wieder durch rühren in Schwebe gehalten wird. Einfacher und wirkungsvoller geht es mit der Verwendung von Schwefelnatrium (Natriumsulfid, Na2S) und Weißkalk in Kombination. Dazu lassen Sie Ihre Häute zunächst in einem Bottich mit 150 % - 350 % Wasser und ca. 3,5 % Schwefelnatrium (60-65%ig)
gelöst über Nacht einwirken und geben dann 3,5 % Weißkalk dazu. Die Prozentangaben beziehen sich auf das gesalzene oder frische Hautgewicht. Die Verseifung findet dann automatisch statt. Diese Lösung dann weitere 2 - 3 Tage einwirken lassen. Die Alkaliquellung und Prallheit erlaubt Ihnen eine weiteres
Entfleischen, was nun sauberer möglich ist, und erlaubt auch das Abziehen des Narbens auf der ehemaligen Haarseite der Haut. Die Haut heißt nun Blöße (Pelt). Wenn Sie ein Narbenleder herstellen wollen und kein Rauhleder bleibt der Narben erhalten. Weich bekommen Sie das Leder trotzdem. Der Narben gibt bei dünnen Ledern die gewünschte Reißfestigkeit, auch wenn der Faserverlauf nicht genauso deutlich zu erkennen ist. Danach muß ein intensives Spülen erfolgen um so viel wie möglich an Alkalis zu entfernen. Der nächste Arbeitsgang ist das Entkälken, hier werden nun Tief aus dem Fasergefüge die Restalkalis entfernt. Die Essigsäure ist eine nur optionale Möglichkeit, da die Gefahr einer
Säurequellung bei pH - Werten und 5,5 zur Zerstörung des Kollagens führen würde.
Die Verwendung von Ammoniumsulfat, Zitronensäure, Ammoniumchlorid oder Milchsäure ist da sinnvoller. Beispielsweise 3 - 3,5 % Ammoniumsulfat (die Mengen sind etwas höher als in herkömmlichen Gerbereien, weil stehende Gefäße) müßte nach etwa 1 - 2 Stunden eine Durchentkälkung erreicht haben. Mit einer Schnittprüfung des Hautqeurschnitts unter Verwendung von Phenolphthalein als Indikator wunderbar prüfbar und nachvollziehbar.
Der nächste Schritt, die Beize, entfernt ebenfalls nichtlederergebendes Eiweiß und fördert den Hautaufschluß. Hundekot und Taubenmist bringen die notwendigen Enzyme mit. 2 -3 % für 2 - 3 Stunden in 250 % 30°C warmen Wasser lockern das Fasergefüge ausreichend auf. Die Verwendung von Pankreasenzyme wäre vorteilhaft, dürfte für Sie aber schwer zu besorgen sein. Wichtig ist aber danach das Auswaschen der Blößen (Haut). Lange und mit viel frischen kalten Wasser ausspülen um die Enzymaktivität zu stoppen.
Die pflanzliche Gerbung kann beginnen. Richtig ist, das eine Angerbung mit möglichst ausgelauchten bzw. abgearbeiteten Gerbstoffen erfolgen sollte, um eine Totgerbung zu vermeiden. Danach alle 2 Tage die Gerbstoffkonzentration erhöhen. Mit einer Baumé Spindel kann man die Dichte sehr gut einstellen. Anfangsbaumé liegt bei etwa 2°Bé und am Ende bis zu 9 - 12°Bé. Die Dauer der Gerbung hängt von der Hautdicke ab, braucht aber einige Wochen. Die Verjüngung der Hautdicke durch mechanische Arbeiten ist zwischendurch immer möglich. Folgende Gerbstoffe sind verwendbar:
Eichenrinde, Fichtenrinde, Birkenrinde, Hemlockrinde, Kastanienrinde, Mangrovenrinde, Mimosarinde, Malettorinde, Weidenrinde.
Oder Hölzer wie: Eichenholz, Kastanienholz oder Quebrachoholz.
Früchte wie: Algarobilla, Dividivi, Myrobalanen, Tara, Valonea und Trillo.
Blätter und Auswüchse wie: Gallen, Bambir, Sumach und Knoppern.
Wurzeln von: Badan, Canaigre, Taran, und Kermek.
Ebenso wichtig ist das Auswaschen nach der Gerbung, wenn der Querschnitt des Leders sauber und satt durchgegerbt ist. (dunkle Verfärbung ohne Strich im Schnitt) Würde die Haut ohne Auswaschen getrocknet, wird sie dunkel, hart, spröde und brüchig. Das Fetten kann mit Fischöl (Tran) und Rindertalg aber auch mit pflanzlichen Ölen je nach Weichheitsgrad erfolgen. Die Trocknung hitzefrei und UV geschützt vornehmen.
Wenn Sie weitere Fragen haben, dürfen Sie gerne gezielt Fragen.
Mit freundlichen Grüßen
S. Banaszak
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| Re: buckskin - Hirngerbung |
Autor: A. Rogers (---.tnt3.lansing.mi.da.uu.net)
Datum: 06.04.26 00:11
Sehr geehrter Herr Banaszak,
Ich danke ihnen herrzlich fuer ihre Antwort auf meine Fragen. Ich muss sagen, dass ihre Erklaerungen sehr hilfreich sind, wenn sie auch, wie alles Neue, weitere Fragen verursachen.
Zunaechst muss ich festhalten, dass es meine Absicht ist, sowenig wie moeglich mit Reinchemikalien aus dem Handel zu arbeiten, einfach weil es mir mehr erfuellung bringt, das zu nutzen, was mir die Pflanzen- und Tierwelt zur Verfuegung stellt. Insofern freut es mich zu hoeren, dass das Aeschern mit (sic!) Asche zu bewaeltigen ist (viele der deutschen Ausdruecke sind mir neu, machen aber Sinn).
Weiterhin muss ich bemerken, dass Verwendung von Hundekot und Taubenmist mich zu sehr an Patrick Suesskinds "Parfuem" erinnert, und damit an die traditionellen Gerberkrankheiten. Ich muss zugeben, dass es mich scheut, mit derartigen Materialien zu arbeiten, die Pankreas klingt da essbarer. Und jetzt meine eigentliche Frage: Was bewirkt die Beize, was das Aeschern nicht kann? Ist es absolut notwendig, erhoeht es die Qualitaet des Leders, oder die Weichheit, oder beschleunigt es die Gerbung? Kann man die Beize sparen? Sie haben sicher festgestellt, dass meine bisherige Arbeit keine der Beize aehnlichen Schritte beinhaltete.
Wird Leder fester, steifer, wenn es laenger gerbt? Im Sinne von "erst Bekleidungsleder, dann Guertelleder, dann Sohlenleder"? Oder haengt es von der Art der Gerbstoffe ab? (Verzeihung, wenn ich hier auf die Fuesse eines Experten trete.. ich fuerchte, die Antwort hierzu koennte laenger werden).
Ich werde mich auf die Suche nach den Buechern machen, und nebenbei habe ich den Churchill schon mehrmals gelesen. Er hat viel Erfahrung in der Chromgerbung (Schwermetalle muessen draussen bleiben) und wie man Koyoten mit der Stahlschlinge faengt. Aber er hat sicherlich Einiges zu sagen.
Nochmal vielen Dank, und ich freue mich, wie immer, auf ihre Antwort.
A. Rogers
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| Re: buckskin - Hirngerbung |
Autor: S. Banaszak (---.tnt6.s2.uunet.de)
Datum: 06.04.26 00:11
Sehr geehrter Herr Rogers,
die Beize bringt ein zusätzliches Auflockern der obersten Narbenschicht aber auch der gesamten Lederhaut. Die Beize baut nichtlederergebenes Eiweiß ab
und verhindert somit Verhärtungen und egalisiert viele Eigenschaften, wie z.B.: Färbbarkeit, generell die Eigenfarbe, Weichheit, Gerbbeschleunigung etc.. Die außerordentlich reinigende Wirkung der Beize gilt als Hautaufschluss und wichtigen Arbeitsgang zur Vorbereitung der nachfolgenden Gerbung.
Reste aus den Haarkanälen, Talgdrüsen (Grund und Gneist), Fette
werden somit gleichmäßig abgebaut und wirken nicht mehr störend.
Je weicher und zügiger ein Leder werden soll desto länger und intensiver
wird gebeizt. Je standiger desto weniger.
Gerbung: Um ordentlich pflanzlich zu gerben muß der Hautquerschnitt
satt durchgegerbt sein. Wird die Haut im Gerbprozess viel bewegt oder
die Gerbbrühe, erfolgt die Gerbung schneller. Ebenso wird die Gerbung
beschleunigt wenn die Haut während der Gerbung immer wieder dünner
gemacht wird. Verbleiben ungegerbte Zonen verkleben die noch nativen Kollagenfasern, und die Haut wird hart und steif. Fertig ist die Gerbung eigentlich bei Durchdringung des Hautquerschnitts und satter Eigenfarbe des Leders. Eine Kochprobe der Haut zeigt das Ergebnis. (Ein Stück Haut aufzeichnen (Silhouette)und dann das Stück Haut in Wasser von 50 - 55°C für 1 Minute erhitzen, Schrumpfung sollte kleiner als 5 % sein)
Ebenso können Sie ein kleines Stück Leder für 2 - 3 Stunden in Essigsäure legen.
Der Querschnitt darf nicht quellen und glasig werden, sonst ist die Gerbung nicht durch.
Auch ist die Betreufelung des Hautquerschnitts mit Eisen III chlorid (5%ig) möglich. Der Querschnitt muß dunkel - schwarz gefärbt werden. Bleibt ein heller Strich in der Mitte ist die Haut ebenfalls nicht durchgegerbt. Es gibt viele Möglichkeiten.
Je länger Sie nach der Durchgerbung gerben und je konzentrierter nach der Durchgerbung die Gerbbrühe aufgebessert wird, umso fester, standiger und härter wird das Leder.
Je feiner Sie das Holz oder die Rinden mahlen bzw. zerkleinern umso schneller verläuft die Gerbung, umso konzentrierter wird das Bad nach Aufbesserung. Eiche und Kastanie ergeben dunklere und etwas festere Leder (braun bis dunkelbraun). Weide, Mimosa, Tara, Sumach und besonders Myrobalanen und Mangrove ergeben weichere Leder (hell, gelbbraun - grünbraun). Wobei Sie auch mit Kastanie und Eiche ein Bekleidungsleder machen können. Also prinzipiell haben Sie recht wenn Sie die Reihenfolge der Lederarten in Verbindung mit der Zeit und Konzentration der Gerbstoffbehandlung bringen. Eine einfache Gerbung mit pflanzlichen Gerbstoffen dauert einige Wochen, die Gerbung von Sohlleder
8 - 18 Monate.
Mit freundlichen Grüßen
S. Banaszak
PS: In manchen Ländern werden die Häute als Balg abgezogen und bis zur Gerbung normal wie von mir beschrieben behandelt, dann aber aufgehängt und hängend wie in einem Schlauch mit Gerbbrühe gefüllt und so durch den „Osmotischen Druck“ relativ schnell durchgegerbt. Öffnungen werden natürlich zugebunden. Vielleicht ein Tip !
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| Re: buckskin - Hirngerbung |
Autor: A. Rogers (---.tnt2.lansing.mi.da.uu.net)
Datum: 06.04.26 00:11
Sehr geehrter Herr Banaszak,
danke fuer ihre neumalige Muehe mit meiner wachsenden Neugier. Auch dafuer, dass sie mich ernst nehmen, in Anbetracht unseres immensen Erfahrungsunterschiedes.
In der Zwischenzeit habe ich das halbe brauchbare Lesematerial meiner Universitaetsbibliothek von Michigan State U. ausgeliehen, und einiges ueber das mir zugegebenermassen etwas leidige Thema der Beize durchgelesen (leidig ist mir soweit natuerlich nur der Hundekot). Es scheint als sei der Beizmeister eine zentrale Figur in der historischen Gerberei, und sicher hat der von ihm verrichtete Schritt noch heute eine grosse Bedeutung:
"The writer believes that the most important single function of bating is the removal of the degredation products of the epidermal system, particularly the keratoses and the remnants of the sebaceous glands. ... the hydrolysis of elastin fibers ... and deliming ... He concluded that the elastin present in the region of the grain membrane must be digested before tanning in order to produce a satisfactory grain surface ..." (Modern Practice in Leather Manufacture, Wilson, NYC, 1941, p. 244 ff)
Ein wenig lesen hat viele Fragen beantwortet zur Theorie und Chemie (beides faellt mir leicht), und hat neues Licht auf das Verhalten meine Gerbproben geworfen, z.B. warum die Narbe sich wie Orangenhaut faltet und vom Leder gloest scheint bei einigen.
Vielen Dank, ich werde mich mit Erfolgen oder Fragen melden, und werde den Buechern etwas Zeit widmen,
Mit freundlichen Gruessen,
A. Rogers
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| Re: buckskin - Hirngerbung |
Autor: Norbert Schuller (---.pcr.univie.ac.at)
Datum: 06.04.26 00:11
Sehr geehrte Lederfachleute
Mit grossem Interesse habe ich die Beiträge über diverse Gerbtechniken gelesen.
Ich hätte da noch eine Frage: Die Hirngerbung war in Nordamerika wohl sehr gebräuchlich. Ist sie auch für Europa nachgewiesen? Im Mittelalter hat man Häute ja mit allem möglichen eingelassen, aber ist jemandem von ihnen ein eindeutiger Nachweis (vor 1500 n. Chr.) für die Hirngerbung in Europa bekannt?
Würde mich sehr auf jede Antwort freuen.
Viele liebe Grüße
Norbert Schuller
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| Re: buckskin - Hirngerbung |
Autor: Sylvia Schiefer (---.pool.mediaWays.net)
Datum: 06.04.26 00:11
Sehr geehrter Herr Banaszak,
das Internet ist doch eine wahre Fundgrube in Sachen Information. Ich bin auf Ihre Diskussion über die so genannte Hirngerbung gestoßen und fand den Artikel sehr interessant. Ich versuche mich auch schon seit längerer Zeit damit und bin aber trotzdem ein blutiger Anfänger. Mein Problem ist, dass ich zwar theoretisch viel gelesen habe wie man die Haut bearbeiten muss, aber in der Praxis ist es dann doch schwerer als man denkt. Ich scheitere immer an Weichmachen! Die Haut trocknet schneller als man dehnen und ziehen kann. Manche Stellen sind noch feucht, andere knistern schon. Ich denke Sie wissen bestimmt was ich meine.
Ich habe gerade eine Dammhirschhaut in Arbeit und heute morgen war ich noch sehr optimistisch dass ich es heute schaffe. Jetzt liegt die Haut im Kühlschrank in einer Plastiktüte weil mir die Arme wehtun. Ich habe sie nochmal etwas angefeuchtet aber ich bin mir nicht mehr sicher ob ich vielleicht etwas anderes falsch mache. Ich weiß z.B. dass auch zu wenig Hirn eine Rolle spielt. Aber ich habe die Haut 2 x mit Hirn eingerieben. Nach dem Trocknen (kann immer nur zeitweise daran arbeiten) habe ich die Haut in Kernseifenwasser etwas ausgewaschen (mich stört immer das die Haut so vor Fettigkeit klebt) und über Nacht antrocknen lassen. Am Morgen habe ich dann mit dem Weichmachen angefangen. Sie war noch feucht und überall geschmeidig und dehnbar.
Ich weiß nicht ob ich zu wenig Kraft habe, aber die Indianerinnen waren doch auch "bloß" Frauen. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir vielleicht noch ein paar Tipps verraten könnten. Vielen Dank im voraus.
Sylvia Schiefer
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| An HErrn Banaszak: Re: buckskin - Hirngerbung |
Autor: Ruth Mutschler (155.210.249.---)
Datum: 06.04.26 00:11
Auch ich habe mit Interesse und Genuss Ihre Wissensaustausche gelesen, Herr Rogers und Herr Banaszak,
deswegen fasse ich mir ein Herz und möchte Sie auch was fragen, Herr Banaszak, auch wenn ich nicht gerben will und meine Aufgabe eine Übersetzung vom spanischen ins deutsche ist:
Ein span. Arbeitshandschuhe-Hersteller will seine Produkte auf deutsch veröffentlichen und beschreibt die Materialien, aus denen sie gemacht sind (natürlich) nur sehr oberflächlich. Und ich habe zwar ein gutes technisches, aber (natürlich) kein Leder-Wöbuch!
Das Leder, das sie benutzen ist:
flor de vacuno = Haarseite, Narbenseite, Narbenspalt vom Rind
serraje (finde ich nicht, aber ) = serrado = primer descarne con la flor = erstes Entfleischen mit der Haarseite
crupón = Croupon, Kernleder
napel (nicht gefunden) = könnte das Wort etwas mit Nappa zu tun haben, etwa in dem Sinn von "Kunst-nappa" oder "Nappa´-ähnlich"? oder ist es ein ganz anderes Material? (Bis jetzt habe ich mal dieses Wort als "Spezialausdruck" so übernommen).
Beim Internetsuchen auf der deutschen Seite nach Leder-Materialien für Arbeitshandschuhe habe ich folgende Begriffe gefunden:
Möbelleder (für Handschuhe??! - was ist daran das besondere, was für Handschuhe auch gut ist?), Rindspaltleder, (Rind)Kernspaltleder, Vollleder, Nappaleder, u.a.
Meine konkreten Fragen sind: a) Was ist spaltleder? (mindestens sollte es zwei Sorten geben, nämlich "flor" und "serraje")
b) kann ich für "flor" Narbenleder schreiben? Oder besser Narbenspaltleder?
c) und wie soll ich es (sprachlich) gegen diesen "serraje" = welche Sorte Spaltleder unterscheiden?
Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mich aufklären könnten, nicht mal so sehr wegen der Übersetzung, sondern, weil mein (Leder- und anderes) Wissen für mich wie ein Puzzle ist, zu dem mir noch einige Stücke fehlen: Kónnten Sie mir vielleicht ein Stück dazu beisteuern?
Es grüsst sehr freundlich aus Zaragoza, Spanien: Ruth Mutschler
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| Re: An HErrn Banaszak: Re: buckskin - Hirngerbung |
Autor: cristina m. (80.185.133.---)
Datum: 06.04.26 00:11
hallo,so sus dem stehgreif kann ich ihnen 2 sorten spaltleder nennen.fleischspalt(der spaltteil von der fleischseite und narbenspalt(der von der narbenseite).also auf italienisch ist fiore der narben.ich vermute auf spanisch ist es flor.das ist nur eine bezeichnung für die hautoberseite,nicht für einen spalt.aber vielleicht ist das alles ja auch schon überholt,weil ihre übersetzung längst fertig ist.ciao.cristina m.
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| Re: An HErrn Banaszak: Re: buckskin - Hirngerbung |
Autor: Olaf Schäfer (217.237.151.---)
Datum: 06.04.26 00:11
Bin erst heute auf diese Seite gestossen udn würde gern eine Frage beisteuern:
Ich möchte für die Krähenjagd den Balg von einem Fuchs präparieren um diesen dann als Lockfuchs zu gebrauchen. Die Fuchshaut soll haltbar gemacht und über einen Kern aus Holzwolle gezogen werden. Wie kann ich die Haut mit Fell so behandeln, dass sie möglichst haltbar wird? Das Leder braucht dabei nicht weich zu werden sollte allerdings weitgehend wiederstandsfähig gegen Feuchtigkeit sein.
Danke, Olaf Schäfer
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| HIRNGERBUNG Gerben mit Hirn |
Autor: Fabian Mayer (84.153.48.---)
Datum: 06.04.26 00:11
Hallo.
Ich habe eine Seite über die Hirngerbung erstellt, zu finden unter www.hirngerbung.de
Über einen Besuch würde ich mich freuen,
MfG,
Fabian Mayer
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| Re: An HErrn Banaszak: Re: buckskin - Hirngerbung |
Autor: Fabian Mayer (84.153.103.---)
Datum: 06.04.26 00:11
Hallo Leute.
Ahc ich habe mir die ganzen Beiträge durchgelesen und finde sie sehr interessant. Ich dachte auch zuerst, daß Stefan Banaszak herablassend über die Hirngerbung, usw. srpicht aber im Verlaufe der Gespräche wurde es sehr interessant. Ich finde auch, daß das Wort "Hirngerbung" eigentlich ein bißchen ungünstig ist, da es sich nicht wirklich um eine Gerbung (also das Hautprotein wird durch das Hirn nicht chemisch verändert wie bei anderen Gerbmethoden) handelt. Das Räuchern stellt die eigentliche Gerbung dar.. Allerdings ist für mich die Hirngerbung ohne das Räuchern auch gar keine richtige Gerbung (mal vom chemischen abgesehen), da es absolut untauglich ist für Kleidung, usw. (mir ist schon klar, daß die Indianer die ungeräucherten Leder für besondere Zwecke hergenommen haben..)
Ich hätte eine Frage an Stefan Banaszak: Ich habe vor wenigen Wochen irgend etwas über die Gerbung mit Rhabarbar gehört (also daß sie dabei wären Gerbstoffe aus der Planze zu gewinnen um einheimsiche, natürlichere Gerbmethoden zu erschaffen.. ???)
Mit freundlichen Grüßen,
Fabian Mayer
www.hirngerbung.de
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| inuit gerbweise |
Autor: azzle (213.129.9.---)
Datum: 06.04.26 00:11
hallo Herr Banaszak,
mit großem interesse habe ich die beitraege zum thema verfolgt.
falls dieses forum noch aktiv ist, wuerde mich brennend interessieren wie die eskimos ihre leder herstellen. sind die tatsaechlich wasserdicht oder zumindest sehr wasserabweisend und wie wird das erreicht?
grüße aus münchen
azzle
http://azzle.net
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| Re: inuit gerbweise |
Autor: Bernd Werdau (---.hsi5.kabel-badenwuerttembe)
Datum: 06.04.26 00:11
Hallo Allerseits
Als Jungjäger habe ich meinen ersten Winterfuchs geschossen und bereits gestreift.
Ich möchte gern aus Interesse und aus finaziellen Gründen mir selbst ein Präparat herstellen. Kann mir jemand konkrete Tipps geben wie ich das Fell behandeln kann um möglichst lange freude an meinem Präparat zu haben.
Vielen dank im voraraus für die Tipps
Gruß
Bernd
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| Re: Leder gerben mit Hirn |
Autor: Osst CERVANTES ()
Datum: 06.04.26 00:11
Finanzielle Unterstützung zwischen Einzelpersonen.
Ich stelle Ihnen das von Ihnen benötigte gewerbliche Darlehen im Rahmen meiner Möglichkeiten zur Verfügung.
Warten auf Ihre Nachricht, um die Kreditantragsbedingungen einzureichen.
mariecervantes@financier.com
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