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// 05.03.2019
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Leder - Mittelalter - Hobby
| Lederrüstung für Damen - Bitte um Tipps & Ratschläge! |
Autor: graceofstain (---.dip.t-dialin.net)
Datum: 05.04.26 21:37
Hallo liebe Rüstungsbauer!
Ich würde mich sehr über ein paar Ratschläge freuen, denn ich möchte gern eine Damen-Lederrüstung bauen.
Ich möchte sie mit der Heißwassertechnik und anschließender Wachsversiegelung herstellen. Sie sollte aus zwei "Schalen" bestehen - entweder einer vorderen und einer hinteren oder auch einer rechten und einer linken - und von der Hüfte bis über die Brust reichen (also ähnlich wie ein Korsett). Ganz schlicht, ohne Verzierungen oder Abnäher, die Schalen aus einem Stück ausgeformt.
Ich habe mir überlegt mit Gipsbinden den Oberkörper abzuformen und mit Putzgips eine Positivform herzustellen und dort das nasse Leder aufzuziehen. Die weiblichen Körperkonturen sollten dabei möglichst schön ausgeformt werden.
Reicht es, wenn ich die Positivforme mit dem Leder umspanne? Und wie spanne ich das Leder am besten um die Form (in den Putzgips kann man ja wahrscheinlich schlecht Nägel hineinschlagen o.ä.). Oder sollte ich auch zusätzlich mit einer Negativform arbeiten und das Leder dazwischen pressen? Wenn ja, wie stelle ich dieses Negativ dann am besten her (der Gipsbindenabdruck wird ja vermutlich zu weich sein)? Und schadet man damit nicht der Oberfläche des Leders, wenn man eine Negativform aufpresst?
Für ein paar Tipps von erfahrenen Rüstungsbauern wäre ich sehr dankbar!
Viele Grüße,
Sandra
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| Re: Lederrüstung für Damen - Bitte um Tipps & Ratschläge! |
Autor: Michael Defiebre (---.pool.mediaWays.net)
Datum: 05.04.26 21:37
Hallo Sandra,
Du hast Dir ja viel vorgenommen!
Mit einer Negativ- und einer Positivform wirst Du die besseren Erfolge haben, dabei kommt es ganz darauf an was für eine Körbchengrösse Du machen willst.Je grösser das Körbchen umso schwieriger. Ich erkläre Dir das jetzt mal so,nimm Dir ein Blatt Papier und wickle es um einen Tennisball und Du wirst sehr schnell merken das das Papier falten wirft, genauso ist das mit dem Leder.Mach erst mal ein Probestück von einem Körbchen mit ca 5 cm Rand aussen rum.
Wenn Du eine Positivform hast ist es nicht schwer ne Negativform herzustellen.Du bestreichst die Form mit Trennmittel ( Im Bastelladen erhältlich, oder man kann auch Vaseline verwenden) formst sie mit Gibsbinden ab und nimmst sie ab wenn sie trocken ist.Leichter tut man sich wenn man die Negativform zweiteilig macht, genau mittig trennt, dann kann man sie leichter abnehmen.Die Oberfläche sollte schön glatt sein da es sonst spuren auf dem Leder gibt. Wenn Du dickeres Leder verwendest musst Du berücksichtigen das die Negativform um diese stärke grösser sein muss.
Ich hoffe ich konnte Dir helfen.
Gruss Michi
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| Re: Lederrüstung für Damen - Bitte um Tipps & Ratschläge! |
Autor: graceofstain (---.dip.t-dialin.net)
Datum: 05.04.26 21:37
Hallo Michi,
vielen herzlichen Dank für Deine Antwort! Du hast mir sogar sehr geholfen!
Dass das mit der Ausformung der Körbchen etwas problematisch wird, habe ich bereits befürchtet. Denkst Du, dass hier die Dicke des Leders einen Unterschied macht? Dass dünneres besser zu dehnen ist als dickeres? Welche Dicke würdest Du denn empfehlen? Die anschließende Härte steht für mich nicht ganz so im Vordergrund. Mir geht es eher um die Optik.
Evtl. müsste ich mit einer leichten Wölbung im Bereich der Brust zufrieden geben und das Rüstungskorsett eher im Stil eines barocken Schnürbrustkorsettes machen. D.h. dass die Brüste eher flach eingeschnürt und nach oben gedrückt werden. Sieht ja evtl. auch ganz gut aus - im Sinne einer Amazonen-Rüstung...
Herzliche Grüße,
Sandra
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| Re: Lederrüstung für Damen - Bitte um Tipps & Ratschläge! |
Autor: Michael Defiebre (---.pool.mediaWays.net)
Datum: 05.04.26 21:37
Hallo Sandra,
ich würde dickeres Leder verwenden da es gestreckt und teilweise gestaucht werden muss. Dünnes Leder wirft schneller Falten. 5mm solltest du schon verwenden.
Gruss Michi
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| Re: Lederrüstung für Damen - Bitte um Tipps & Ratschläge! |
Autor: Benjamin Kramm (---.hsi.ish.de)
Datum: 05.04.26 21:37
Ein paar Tips:
- nimm "Modellgips" (wird auch als "Alabaster" gehandelt); lässt sich besser modellieren. Schwenk das Negativ mit Seifenwasser aus (Trennmittel) und gieß eine Stange (dickes Moniereisen, stabiles Wasserrohr oder so) mit ein.
Sie ragt aus der Unterseite des Positivs heraus und ermöglicht das Arbeiten im Schraubstock.
- wenn du deinen Körper abgeformt und das Negativ ausgegossen und ausgepellt hast, wird es etwas größer sein als die Vorlage (ca. 3%, k.A. warum...). Um den Gips zu reduzieren empfehle ich dir eine "Surform-Raspel" (Fa. Stanley, im Baumarkt). Einfach deinen Körper abmessen, entsprechende Umfänge am Modell nehmen und fröhlich runterraspeln.
- Das Positiv lange (1 Woche) an einem warmen, trockenen Ort lagern - feuchte Positive lassen das Leder beim Trocknen verschimmeln.
- Form des Lederzuschnitts: Nimm Packpapier, schneid es grob auf die Größe deiner zu fertigenden Rüstungshälfte zu und knüll es gut durch. Dieses knitterige Blatt lässt sich jetzt ganz gut ans Modell anlegen (Falten sind nicht zu vermeiden), darauf einfach die Ränder aufzeichnen und dann zuschneiden: Fertig ist das Schnittmuster.
Benjamin
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| Re: Lederrüstung für Damen - Bitte um Tipps & Ratschläge! |
Autor: Benjamin Kramm (---.hsi.ish.de)
Datum: 05.04.26 21:37
- Ich habe gute Erfahrungen mit dem Walken gemacht: Blankleder in warmem Wasser einlegen, ca. alle 20 Minuten einrollen (Achtung! Walkrichtung quer zur Längsachse der Rolle!) und damit auf Badewannenrand, Amboss o.ä. einprügeln. Nach einem spannenden Vormittag sollte das Leder die Konsistenz von Fensterleder erreicht haben und klatschnass sein. Das Leder dann anformen (mit Walknägeln an einigen Stellen annageln, mit einer Walkzange (oder auch einer Wasserpumpenzange...) packen und dehnen, dann arbeiten sich die Konturen des Modells ins nasse Leder. Wenn das Leder anliegt, ringsherum mit dicht gesetzten Walknägeln (ca. alle 2 cm) fixieren, damit das trockenende Leder sich nicht losreißt. Den überstehenden Lederrand mit einem scharfen Messer abschneiden. Die schwarzen Flecke, die jetzt garantiert auf dem Leder sind stammen von der Gerbsäure, die mit Eisen Eisenoxid bildet - besorg dir Kleesalz, damit kann es abwaschen. (Achtung! Giftig! Gut Nachspülen!).
Nach einigen Tagen an einem warmen, trockenen Ort ist das Leder knüppelhart und kann abgezogen werden.
- Wenn du noch Fragen hast, schreib mir eine Mail; oder noch besser, geh zu einem Sanitätshaus / einer orthopädischen Werkstatt und frag ganz nett nach einem Bandagisten, die können sowas.
Benjamin
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| Re: Lederrüstung für Damen - Bitte um Tipps & Ratschläge! |
Autor: graceofstain (---.dip.t-dialin.net)
Datum: 05.04.26 21:37
Lieber Benjamin,
da ich Deine Mail-Adresse nicht habe (sie scheint hier nicht hinterlegt zu sein), schreibe ich Dir jetzt über's Forum.
Vielen, vielen Dank für die Riesenmühe die Du Dir gemacht hast und die vielen wertvollen Tipps, die Du hier zusammengetragen hast. Ich denke, mit Deiner Anleitung kann ich mich nun guter Dinge an mein Projekt wagen. Danke auch für das Angebot auf Dich zurückkommen zu dürfen, wenn ich Ratschläge brauche.
Sollte ich mich in irgendeiner Weise mal revanchieren können (ich fertige Schnürkorsette - ein paar meiner Arbeiten habe ich hier unter "Galerie" verewigt), dann zögere bitte nicht, Dich bei mir zu melden. Ich helfe Dir gern weiter!
Herzliche Grüße,
Sandra
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| Re: Lederrüstung für Damen - Bitte um Tipps & Ratschläge! |
Autor: Benjamin Kramm (---.hsi.ish.de)
Datum: 05.04.26 21:37
Danke für die Blumen... aber ich habe eigentlich nur runtergeschrieben, was ich aus meiner Ausbildung
noch so in Erinnerung habe (rate mal, woher ich orthopädische Werkstätten von innen kenne ).
Ich hatte selbst mal (vor ein paar Jahren) ein ähnliches Projekt für eine Freundin angefangen, aber aus
Zeitmangel und schwindendem Elan blieb es leider beim fertigen Gipsmodell.
So wie deine Werkstücke bisher aussehen, hast du wohl keine Schwierigkeiten bei der Leder- und Metall-
bearbeitung, ich bin schon gespannt auf deine fertige Rüstung.
Benjamin
P.S.: Ich habe auch schon einige Mieder genäht, allerdings aus Drell (steifer Baumwoll-Köper). Wie gehst du
beim Zeichnen der Schnittmuster vor - Bandagisten übertragen die Körpermaße des Patienten in ein
Modell namens "Frankfurter Kasten" und können sich so schon ziemlich exakte Abnäher anzeichnen -
benutzt du etwas ähnliches?
Ach ja: deine E-Mail-Adresse konnte ich jetzt auch nicht erkennen - du erreichst mich unter "benjamin.kramm@uni-dortmund.de"
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